Aus dem Leben eines Tagesstättenkindes



Morgens hat Mama mich geweckt. Komisch, abends wenn ich wach bin, will sie, dass ich schlafe und morgens, wenn ich müde bin, soll ich aufstehen. Verstehe einer die Großen.

Im Kindergarten habe ich erst mal geklingelt. Das ist überhaupt das Wichtigste. Ich will doch wissen, wer da ist. Vor 9.00 Uhr ist es noch ruhig und gemütlich. Manchmal machen wir da schon was besonderes, Musik oder Spiele ...

Spaßig ist auch, bei jedem Klingeln nach vorne zu rennen, um zu sehen, wer kommt. Leider dürfen wir die Tür nicht alleine öffnen. Außerdem macht das Rennen Spaß. Aber scheinbar nur uns - die Großen finden es gar nicht toll, wenn wir nur gucken wollen, wer kommt. Wir warten doch auf unsere "Kumpels", und die Großen stehen schließlich auch rum und quatschen miteinander. Gerade dann, wenn wir dringend etwas brauchen.

Und dann wird es auf einmal voll - Kinder und Erwachsene kommen nacheinander rein. Jetzt ist kein Spiel mehr möglich. Wir nehmen die Gelegenheit wahr und schlüpfen schnell in die Garderobe. Wenn jemand fragt, holen wir nur eben unser Frühstück.

In der Garderobe ist es spannend. Da werden Schuhe gesucht, Kinder ausgeschimpft, Eltern reden miteinander - hin und wieder schnappt man da etwas Wichtiges auf, von oben und von unten ist immer einer anzutreffen. Man kann ein bisschen zanken - im Gedränge fällt das kaum auf, außer der andere fängt an zu schreien.

Dann wird es langsam wieder ruhig. Endlich kommen auch die anderen Großen. "Spätdienst" nennen es die Erwachsenen - komisch! Nun haben wir die Großen für uns und die Eltern müssen aus den Gruppenräumen verschwinden.

Sonja kommt mit ihrer Liste. Sie schaut nach, wer alles da ist. Pia auch? Hab ich noch gar nicht gesehen. Manchmal zanken wir Sonja extra, dann sagen wir, dass Peter da ist, obwohl das nicht stimmt. Oder wir rufen ganz laut.

Jetzt können wir wieder was spielen - Leopard oder Löwe oder in der Puppenecke, oder in der Bauecke oder wir malen. Vielleicht geh ich auch raus oder schau mal, was in der anderen Gruppe los ist. Ich hab schon so ne Idee ...

Ui, hier stinkt es aber. bestimmt hat eins von den kleinen Kindern mal wieder in die Windel gemacht, das ist ja kaum zum aushalten. Zum Glück ist das gleich vorbei, als ich am Wickelraum vorbei gehe sehe ich, dass Brandy gerade mit dem Wickeln anfängt.

Puh, jetzt bin ich ganz k.o. Zum Glück liest gerade jemand eine Geschichte vor - da hör ich gerne zu. Vorlesen gefällt mir.
Wo ist meine Freundin? Ach ja, die ist ja mit Brandy Blumen kaufen gegangen, damit wir später etwas pflanzen können.... Jetzt versucht Kay mich zu schon wieder zu überreden, ein Experiment mitzumachen, dabei will ich doch lieber mit Kathrin singen. Oder gehen Sonja und Hanni in den Wald??? Na gut, mach ich mal bei Kay mit. Es wird aber doch spannend, denn es machen nicht alle mit, sondern nur ein paar. Das gefällt mir ...

So jetzt gehen wir aber raus. Welches Wetter ist? Nass? Hoffentlich gibt es Pfützen oder Wasser - damit lässt sich am schönsten spielen.

Da latscht mir doch jemand durch meine Burg! So´n Mist - alles kaputt! Na, warte! Am besten eine Ladung Sand hinterher! Blödmann du! Jetzt werden die Großen wieder so unangenehm. Wir sollen miteinander reden und es so regeln. Ich weiß ja auch, dass ich nicht mit Sand schmeißen soll - aber in so einem Fall?!?!

Aufräumen!!! Schnell versuche ich ins Haus zu entwischen. Manchmal gelingt es mir - heut leider nicht - ich muss doch wenigstens ein Teil in die Garage bringen..... Na ja, ich werfe es mit Anlauf rein. Mist - schon wieder erwischt. Ich soll nicht werfen. Heute geht aber auch alles schief! Luca wird auch schon abgeholt, weil er ein Kindergartenkind ist. Na ja, mal sehen, was es zu essen gibt. Moni und Roswitha verraten es: Kartoffeln, Fisch, Gurke und kleine Tomaten. Toll, die mag ich. Zum Glück tun die hier nicht so `ne scheußliche Soße drüber. Und was ist mit Nachtisch? Äpfel ?! Juhu - da gibt es manchmal eine Geschichte!

Manchmal reden wir beim Essen über ganz spannende Dinge. Wie eine Spinne an ihre Fäden kommt z.B. oder warum Erbsen ekelhaft sind. Manchmal machen wir auch Quatsch, dann sind wir die Großen und die Erwachsenen müssen tun, was wir sagen. Leider haben die nicht so lange Lust wie wir. Eigentlich komisch!! Spätestens beim Zähneputzen ist es vorbei.

Nachmittags schau ich erst mal - Schule spielen oder malen, oder raus? Ich hab die rote Schaufel vorhin versteckt. Hoffentlich hat sie noch keiner gefunden. Ich geh erst mal raus. Ich muss zurück - hab das Bescheidsagen vergessen. Hach, wo ich doch so dringend nach der roten Schaufel sehen muss! Doch halt, ich hab Durst. Was machen die denn hier? Neue Knete? - ich glaub ich bleib noch was ...

Mama kommt. Viel zu früh, gerade, wenn es am spannendsten ist ... ausgerechnet jetzt!!!! Ich knatsch erst mal. Vorhin, da wäre es gut gewesen, aber jetzt, nee jetzt noch nicht. Nie kommt sie zum richtigen Augenblick. Puh, was sehe ich? Sie setzt sich noch mal - eine Chance bleibt mir: "Mama guck mal was ich kann! Schau mal, was ich gebastelt habe ...  Ich finde meine Brotdose nicht!" Doch jetzt will sie wirklich los. Aber ich nicht, ich trödele noch ein bisschen. Doch halt, jetzt wird`s brenzlig. Sie bekommt schon so hektische Flecken. Soll sie doch, schließlich war ich den ganzen Tag hier und sie nicht ... Oh jetzt hab ich doch ganz vergessen aufzuräumen!?! Mal sehen, was es zu Hause noch gibt,

na dann tschüß bis morgen.